Für die Entwicklung von Ersatzmethoden braucht es Tierversuche

Vanessa - Kampagnenteam
Vanessa - Kampagnenteam
4 February 2022 Temps de lecture: 2 minutes
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Zellen
Welche Alternativen gibt es heute zu Tierversuchen – und welches Potenzial bieten sie für die Zukunft? An einem Webinar des 3R-Kompetenzzentrums haben Expertinnen und Experten anhand spezifischer Beispielen die Möglichkeiten und Grenzen dieser Methoden aufgezeigt. Dabei wurde deutlich: Eine Weiterentwicklung alternativer Forschungsmethoden ist ohne Daten aus Tierversuchen nicht möglich.

Die tierversuchsfreie Forschung hat in den letzten Jahrzehnten grosse Fortschritte gemacht. Am 3R-Webinar stellte Prof. Adrian Roth von Roche beispielsweise Versuche mit zellbasierten Tests vor. Organoide, also zellbasierte Organstrukturen, sollen dabei das Verhalten eines Aspektes des menschlichen Organs abbilden. Seine Aussage war ist jedoch klar: «Ein Mensch ist keine Maus – ist aber auch kein Zellhaufen». Mit diesen neuen Tests und Alternativmethoden kommen Forschende bereits ziemlich weit, aber sie stossen an Grenzen. Auch Prof. Barbara Rothen von der Universität Fribourg ist überzeugt, dass viel Potential in Zellmodellen vorhanden ist. Jedoch braucht es mehrere Jahre, um ein Zellmodell zu einem akzeptierten und validierten Modell zu entwickeln, und dafür sind Daten aus Tier- und Menschenversuchen notwendig.

Wie In-Vitro-Methoden Tierversuche ergänzen

Im zweiten Teil des Webinars wurden konkrete Beispiele vorgestellt, wie In-Vitro-Methoden Tierversuche ergänzen können. Prof. Anita Lüthi von der Universität Lausanne stellte ihre Fortschritte in der Schlafforschung vor. Sie betonte, dass ihre Arbeit ohne Tierversuche unmöglich wäre. Denn auch wenn In-Vitro-Methoden unterstützend sein können, braucht es Tierversuche, um die verschiedenen Zusammenhänge in unserem Körper verstehen zu können. Auch Prof. Valerio Mante von der Universität Zürich ist bei seiner neurowissenschaftlichen Forschung weiterhin auf Tierversuche angewiesen. Organoide sind dem Gehirn zwar ähnlich, jedoch nicht identisch. Auch computergestützte Annahmen werden immer fortschrittlicher, erreichen aber die Komplexität des Gehirns bei Weitem nicht.

Versuchsverbot wäre ein enormer Rückschlag

Alle Expertinnen und Experten waren sich einig: Die In-Vitro-Methoden wie Organoide oder computerbasierte Modelle sind komplementär und gewinnen immer mehr an Bedeutung. Man hat dadurch einen guten Zugang zu den molekularen und physiologischen Prozessen. Sobald es aber darum geht, etwas ins Gesamtbild einzufügen, werden Tierversuche notwendig. Mit der Annahme der Initiative würden Datensätze fehlen, um alternative Methoden weiterzuentwickeln und zu validieren. Es wäre ein enormer Rückschlag für die Forschung mit Ersatzmethoden.